Home

Die Waterberglüge

Vernichtungsbefehl?

Opferzahlen

Privatschulen

Aktuelles

Aufkleber

Impressum

Privatschulen

Die  deutschen Privatschulen in Namibia, dem ehemaligen Deutsch-Südwestafrika:

Aus der Not geboren - aber kein  Notbehelf!

In der Verfassung seit der Unabhängigkeit Namibias ist der muttersprachliche Unterricht in den Schulen bis zur 4. Klasse gesetzlich verankert. Er gilt für alle Volksgruppen, also für die afrikaans sprechenden Buren genauso wie für die schwarzen Volksgruppen der Hereros, Owambos,usw. und für die deutschen Kinder. Unterhöhlt wird das Gesetz jedoch durch Festsetzung von Klassenstärken, die keine dieser Volksgruppen erreichen kann. Somit haben die deutschen Abteilungen der Staatsschulen keine Existenzmöglichkeit mehr.

Da die deutsche Muttersprache wichtig ist, um die deutsche Kultur zu verstehen und zu erhalten, um deutsche Dichter und Philosophen lesen und  begreifen zu können, war guter Rat teuer. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Es blieb den Eltern nach reiflicher Überlegung nichts anderes übrig, als deutsche Privatschulen zu gründen. Das bedeutet, man muß die Räumlichkeiten anmieten, Lehr- und Lernmaterial kaufen und die Lehrkräfte bezahlen. Man braucht also Sponsoren, sprich Spender aus Deutschland, die das unterstützen, zumal von unserer Regierung keine Hilfe kommt. Nur Schulen mit gemischt-rassischen Schülern erhalten aus Bonn/Berlin einen Zuschuß.

Fünf deutsche Privatschulen haben sich seit Mitte der neunziger Jahre  gegründet. Sie werden u.a. unterstützt von deutschen Vereinen. Ich nenne hier das ”Hilfskomitee Südliches Afrika e.V.” und den ”Traditionsverband ehemaliger Schutz- und Überseetruppen e.V.”. Daneben gibt es aber praktisch für jede Schule noch kleine Fördervereine in Deutschland, die direkte Hilfe leisten.

Ich möchte hier über die fünf Schulen berichten, so wie wir sie im Frühjahr 2004 gesehen haben.

SWAKOPMUND: Die Anfänge dieser Schule am Ende der neunziger Jahre waren  zwei Räume im Pfadfinderheim. Jetzt besitzt man ein großes Areal im  Stadtteil Vineta. 110 Schüler werden von 8 Lehrkräften unterrichtet. Im letzten Schuljahr konnte man die Oberstufe einrichten, und hofft, bei weiterem Wachstum auch das Abitur anbieten zu können. Der Schulverein als Träger der Schule arbeitet unter der Leitung eines Bauunternehmers sehr engagiert. Jetzt konnte man das angrenzende Gelände eines ehemaligen Postamtes von der Stadtverwaltung dazu erwerben, das man für Sport- und  Spielstätten ausbauen will. Bei unserem letzten Besuch hatten wir die Möglichkeit, am Deutschunterricht der 5. Klasse teilzunehmen. Deutsche Grammatik stand auf dem Stundenplan. Deklination und Konjugation rauf und runter. Mein Mann und ich haben da bei “ganz schön alt ausgesehen”. Die Schüler arbeiten sehr diszipliniert und aufmerksam mit.

OMARURU: Hier werden 43 Schüler von 4,5 Lehrkräften unterrichtet.  Nachwuchsprobleme wird man nicht haben, besuchen doch den deutschen  Kindergarten 26 Kinder. Wir haben am Unterricht der 2. Klasse teilgenommen. das Thema war ”die Familie”. Jeder mußte an die Tafel, um sein von ihm genanntes Familienmitglied anzuschreiben, Opa, Oma, Neffe, usw. Gefragt wurde von der Lehrerin z.B. “was ist für Dich der Bruder Deiner Mutter?” Klar, daß dann das Wort “Onkel” an der Tafel stand!  Beeindruckend für eine 2. Klasse!

OTJIWARONGO: Hier werden 63 Schüler in 7 Klassen unterrichtet. Allerdings wird die Schülerzahl im nächsten Schuljahr sinken, da die jetzige 7. Klasse - die schülerstärkste - abgeht. Wenn immer wir zu Besuch kommen, werden wir auf dem Schulhof mit einem Lied begrüßt. In Otjiwarongo hatte man das große Glück, Bürocontainer aus Deutschland kostenlos zu bekommen, sie dienen jetzt als Klassenräume, schon das Richtfest konnten wir miterleben. Gleich nebenan auf dem Gelände befindet sich das deutsche Schülerheim, das im letzten Jahr sein 75. Bestehen feiern konnte. Als ”Geschenk” der Eltern wurde im Selbstbau ein Schwimmbad errichtet. Und zum  Jubiläum des Schülerheims eine große Tombola aufgestellt mit Spenden der Eltern. So konnte man z.B. eine Ziege gewinnen!

OTAVI: 22 Schüler werden von 2 Lehrerinnen und einer Praktikantin aus  Deutschland unterrichtet. In der 3. und 4. Klasse war gerade das kleine Einmaleins dran mit Addition und Subtraktion, und das alles im Schnelldurchgang!  Wir haben gestaunt. Auf unsere Frage, ob man wohl auch  einmal Deutschland besuchen möchte, und was man da sehen wolle, bekamen wir die Antworten wie aus der Pistole geschossen: Ja, man wolle: Schneemänner bauen, Schlittenfahren, Schneeballschlachten veranstalten. Fazit: es ist überall gleich, was man nicht hat möchte man doch so gern  haben!

GROOTFONTEIN: Man hat 31 Schüler, die von drei Lehrkräften unterrichtet werden. Das Angebot geht bis zur 7. Klasse. Der Schulvereinsvorstand ist sehr rührig, hat Computer-Räume für den Unterricht geschaffen und 1998 ein neues Schulbebäude errichtet. Begrüßt wurden wir mit dem Fontane-Gedicht “Herr von Ribbeck”. Es war schon beeindruckend, als ein schwarzer Schüler der 7. Klasse das Gedicht im Originalton brandenburgisch vortrug. Schwarze Schüler sind in allen Schulen in der Minderheit. Hier in Grootfontein verhält es sich so, daß ein weißer älterer Herr aus Tsumeb das Schulgeld  bezahlt. Die Leistungen dieses Schülers sind sehr gut. Er wird mit Sicherheit seinen Weg machen. Auch in Swakopmund gibt es zwei oder drei schwarze Schüler. Deren Eltern haben erkannt, welch' gutes Bildungsniveau  geboten wird und zahlen selbstverständlich das Schulgeld. Als Beispiel für Schulgeldhöhe sei Grootfontein genannt: hier liegt das monatliche  Schulgeld bei N$ 430,00 pro Schüler, das Heimgeld bei N$ 400,00! Eine stolze Summe jeden Monat für jedes Kind!

Am Schluß ist zu sagen: alle Schulen arbeiten hervorragend! Bei allen Schulen ist der Zusammenhalt zwischen Lehrern - Schülern und Eltern stark! Die Eltern überall leisten viel ehrenamtliche Mitarbeit, beim Bauen, beim  Renovieren, bei Veranstaltungen,die wieder Geld bringen müssen, bei Los-Aktionen und bei der Spendenwerbung. Sie sind alle voll integriert in die Schule ihrer Kinder. Und eines fällt immer wieder besonders auf: in allen Schulen wird ein gutes Deutsch gesprochen.

Es lohnt sich, die Schulen, diese Eltern zu unterstützen.

Ulla Schroeder, Großhansdorf, im Frühjahr 2004

[Home] [Die Waterberglüge] [Vernichtungsbefehl] [Opferzahlen] [Privatschulen] [Aktuelles]